Wirkungsweise


Die allgemeine Wirkung: Altweltamele werden bisher wenig in der Therapie eingesetzt. Daher gibt es darüber kaum empirische Daten und wissenschaftliche Untersuchungen. Die Frage, was genau ein Kamel beim Menschen warum so stark bewirkt, kann daher vorerst nur auf Grund unserer Beobachtungen und Schlussfolgerungen beantwortet werden. Der gemeinnützige Verein Therapiekamel e. V. hat sich jedoch die wissenschaftliche Beantwortung dieser Fragen als Ziel gestellt.

Das Kamel ist ein sehr soziales Tier. Das bedeutet, dass diese Tiere in Gruppen leben. In diesen Herden gibt es wenig Hierarchie und untereinander fast keine Aggression. Da Futter evolutionär sehr knapp war, wird jede überflüssige Bewegung vermieden. Wegen mangelnder Fressfeinde neigt das Kamel nicht zu Panik oder Fluchtverhalten. Aus diesen Besonderheiten ergibt sich die spezielle und ganzheitliche Wirkung auf uns Menschen: Entspannung, Ruhe und Gelassenheit; ein offener wacher Gemütszustand; Konzentration und Wahrnehmung mit allen Sinnen.
Das Kamel bietet dem Menschen Kontakt an, ohne ihn einzufordern. Das können die meisten Gäste leicht und gerne annehmen. Kommunikation und Körperkontakt finden statt. Der langsame Schritt des Kamels ist ein Vierschlag ähnlich wie beim Pferd. Die wissenschaftlich belegte vielfältige Wirkung der Hippotherapie kann somit auch auf Kamele übertragen werden.

Hintergrund der tiergestützten Interaktion

Seit Jahrtausenden lebt der Mensch mit domestizierten Tieren zusammen. Das Tier war dabei für den Menschen nicht nur Nahrung, sondern auch Arbeitstier, Beschützer und Freund. Das enge Zusammenleben hat Spuren hinterlassen. Wissenschaftlich wird dieser Sachverhalt als Biophilie bezeichnet: die Liebe des Menschen zum Lebendigen, die Sehnsucht nach Natur. Auch der moderne Stadtmensch, der im Alltag ohne Tiere lebt, hat in der Regel ein inneres – oft unreflektiertes – Bedürfnis nach Natur und Umgang mit Tieren. Tiere „sprechen“ uns Menschen an.

Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier basiert dabei nicht auf kognitiver Ebene, sondern meist nonverbal auf emotional, vitaler Ebene. Der Mensch hat – unabhängig von Bildung und Intellekt – ein Gespür für Tiere.

Bei vielen Krankheitsbildern oder Beeinträchtigungen des Menschen ist vorrangig die kognitive, intellektuelle und nicht die vitale, emotionale Ebene betroffen. Daher funktioniert die Kommunikation zwischen Mensch und Tier auch bei Personen mit intellektuellen oder sozialen Defiziten.

Dieser wissenschaftlich bestätigten Tatsachen bedient sich die Tiergestützte Therapie. Sie bezeichnet pädagogische, sozialarbeiterische oder therapeutische Interventionen beim Menschen mit Hilfe von Tieren. Nur teilweise findet dabei Therapie im rein medizinischen Sinn des Wortes statt. Oft ist das Ziel nicht Genesung oder Symptomlinderung, sondern vorrangig die Erhöhung von Lebenslust und Lebensfreude. Durch die tiergestützte Aktivierung und Motivierung der Klient*innen, durch Bewegung, Lachen, Freude und vermehrte Kommunikation sollen Defizite ausgeglichen und das körperliche und seelische Wohlbefinden erhöht werden. Weiterhin werden Motorik, Wahrnehmung, Lernen und Verhalten positiv beeinflusst.